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24.07.17
Ökomarkt Verbraucher- und Agrarberatung e.V. Hamburg
„Tomaten im Stadtpark? Die essbare Stadt Hamburg“ Podiumsdiskussion

Am 16.7.2017 lud das Regionalbüro Hamburg der Friedrich Ebert Stiftung zu einer Podiums Diskussion mit dem Titel: „Tomaten im Stadtpark? Die essbare Stadt Hamburg“ ein. Die Einladung ging an politisch interessierte HamburgerInnen und war mit 66 Anmeldungen (aufgrund der begrenzten Raumgröße) ausgebucht. Auf dem Podium diskutierten der Bürgerschaftsabgeordnete und agrapolitische Sprecher der SPD Fraktion Gerd Kekstadt, Christina Zurek vom Ökomarkt e.V. und der Philosoph und Buchautor Prof. Harald Lemke. Die Journalistin Tanja Busse moderiete den Abend.

Nach der Begrüßung durch Dr. Christian Testor, Mitarbeiter der Friedrich Ebert Stiftung; plädierte Prof. Harald Lemke in einem kurzen Input dafür das Thema Ernährung „groß zu denken“. Die individuelle Freiheit jedes Einzelnen zu Essen was er oder sie möchte, führt „beim Blick über den Tellerrand“ zu der Erkenntnis, das die heutigen Ernährungssysteme große globale Krisen in der Welt auslösen.

Übermäßiger Fleischverzehr, Antibiotika- und Perstizideinsatz haben ebenso wie der Klimawandel dazu geführt, das ein „Weiter so“ wie bisher nicht sinnvoll und auch nicht möglich erscheinen. Städte und Kommunen weltweit haben das begriffen und Maßnahmenpakete entwickelt, die das Zusammenwirken von Stadt und Land verbessern und deren Abhängigkeit abbilden. Runtergebrochen auf Hamburg forderte er eine klare politische Verankerung der Themen „Landwirtschaft und Ernährung“ in der Politik, Ansprechpartner in der Verwaltung und konkrete Maßnahmen, von denen Bürgerinnen und Bürger als Verbraucherinnen und Menschen in der Hansestadt profitieren.

Mit dieser Vision als Grundlage wurde die Diskussion eröffnet. Herr Keckstadt und Frau Zurek ergänzten die Darstellung von Herrn Lemke und beschrieben Beispielprojekte in der Stadt. Im Anschluss kam das Publikum zu Wort. Schnell kam die Sprache auf den Konflikt zwischen Wohnungsbau, Naturschutz und Landwirtschaft. In der Milionenstadt Hamburg, die einen Wohnungszuwachs von 10.000 Wohnungen jährlich avisiert, gibt es eine starke Konkurrenz zwischen dem Bau mit dessen Flächenanspruch für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen und den Interessen der Landwirtschaft. Das Ziel einer ortsnahen Versorgung, die unnötige Transporte vermeidet und regionale Wirtschaftskreisläufe stärkt wird also in dem Maße unwahrscheinlicher in dem Flächen für die Landwirtschaft verloren gehen. Hier wäre ein klares Bekenntnis für den Erhalt der landwirtschaftlichen und gärtnerischen Produktion auf Hamburgs Flächen wichtig.

Als weitere Themen wurde an diesem Abend die Rolle der VerbraucherInnen als Teil und Motor der Ernährungssysteme diskutiert, die Ausrichtung der öffentlichen Lebensmitteleinkäufe von Hamburg als Option zur Förderung der regionalen bio Produktion und die Idee Gründächer in Hamburg oder auch Teile des öffentlichen Grüns für urbanes Gärtnern weiterzuentwickeln.

Im Anschluss an die große Runde hatten die TeilnehmerInnen die Möglichkeit mit den Referenten bei Wein oder Wasser noch in kleinen Runden weiter zu diskutieren, was gerne in Anspruch genommen wurde. Die Veranstaltung zeigte die Vielschichtigkeit des Themas und machte deutlich, dass viele Politikfelder in Hamburg zusammen arbeiten müssen, damit Schritte in Richtung einer nachhaltigen Ernährung und Landwirtschaft möglich werden.

www.oekomarkt-hamburg.de/

 

Bildquelle: Bildquelle: Moni Sertel / pixelio.de